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Der Störenfried mischt sich ein, wenn es um Kultur in Hagen geht.

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Am Dienstag, 24.03.2009,  - 19.22 Uhr schrieb der Störenfried

Gestatten: Störenfried, die redaktionelle Plattform des Hagener Kulturrings 

 

Es ist schlimm, in einer Stadt zu leben, in der es keinen Humor gibt. Doch noch schlimmer ist es, in einer Stadt zu leben, in der man Humor braucht.
Mit diesem leicht abgewandelten Brecht-Zitat - der große Bertolt meinte ursprünglich Deutschland - will sich heute ihr neu geschalteter Störenfried - die redaktionelle Plattform des Hagener Kulturrings e.V. - erstmals Gehör verschaffen, verehrte Leserinnen und Leser.
An Kleingeistern und Dilettanten in Sachen Kultur fehlt es uns definitiv nicht in Hagen!
Es braucht mehr Störenfriede, mehr Querdenker, Narren und Verrückte in unserer Stadt. Und die gewählten oder bald zu wählenden Stadtlenker wären gut beraten, Rat und Tat der Narren zu berücksichtigen. Denn auch und gerade hier gilt: Neben dem klugen Staatsmann - sprich: Oberbürgermeister - sitzen immer auf der einen Seite der weise Ratgeber und auf der anderen Seite der Narr.

Unsere Kultur, speziell unsere Hagener Kultur, ist das gemeinsame Dach, unter dem wir versuchen zu leben oder die Entwicklungen in unserer Stadt zu überleben, ganz wie man will. Und wenn dieses Dach einstürzt, sind wir Hagener obdachlos, zumindest jener Teil der Hagener Bürgerschaft, der sich selbst als Kulturmenschen definiert. Kulturmenschen sollten wir alle sein, will heißen, sich an den Errungenschaften der städtischen Kultur, wie immer sie auch definiert werden mag, zu bereichern, an ihr teilzuhaben und/oder sie aktiv zu gestalten oder zu begleiten.
Dass es eine Kultur in Hagen gibt, steht außer Frage. Dass ihr im Zuge der bitteren Sparmaßnahmen als erste der Garaus gemacht werden wird, darf wohl ebenso wenig bestritten werden. Aber dass gerade ihr alle Türen geöffnet, sämtliche Möglichkeiten offeriert und jede nur erdenkliche Unterstützung zuteil werden muss, um hier überleben zu können, scheint noch den Wenigsten klar zu sein.
Anders gesagt: eine vielfältige, eine lebendige Kultur ist noch das charmanteste Unglück, das uns hier in Hagen zustoßen kann.
Denn mit schlechten Nachrichten, schlimmen Entwicklungen und ewiger, unguter Laune, die bei einigen bis zur Depression oder zur finalen Abwanderung führt, sind wir genügend gesegnet.
Nein, es hilft nichts, wir brauchen Humor, um hier leben zu können. Wir müssen lachen lernen und lehren, wo bisher nur geweint wurde.

Es bleibt müßig, sich über die Gründe und Ursachen den Kopf zu zerbrechen. Jeder engagierte Hagener, dem seine Stadt am Herzen liegt, wird sich diese Fragen selbst beantworten können.
Und, und das muss hier unbedingt gesagt werden: Drei gelbe, grinsende Luftballons auf blauem Grund machen noch keine gute Laune!
Obwohl - nein, ich muss mich korrigieren - selten habe ich so viele Menschen in schallendes Gelächter ausbrechen sehen, wie beim Anschauen der neuesten großflächigen Elaborate der Hagener Marketingelite.
Und gehen wir ruhig davon aus, dass diese Reaktionen nicht beabsichtigt waren, denn so viel Satirefähigkeit traue ich ihr wirklich nicht zu - leider.
Womit wir bei des Pudels Kern angelangt wären:
Sie oder Ihr, liebe Leserinnen und Leser, habt Euch auf diese Seite verirrt - oder Ihr habt sie gezielt besucht, weil Euch etwas aufgefallen ist. Etwas nämlich, was in diesen Zeiten so vielleicht gar nicht zu vermuten ist.
In diesen Zeiten also, in dieser Stadt, tun sich kulturinteressierte und künstlerische Menschen zusammen, um Euch die Kultur Hagens in gebündelter, informativer und aufgemerkt! respektloser und humorvoller Form zu präsentieren.
Ist das noch nötig? Was sind das überhaupt für Leute, die ihr erstes öffentliches Auftreten am 5. Mai vollmundig als Paukenschlag ankündigen?
Sind das nicht doch nur die schon bekannten Störenfriede und Nestbeschmutzer, die wieder mal versuchen, sich über ein neues Organ, eine neue Organisation Gehör zu verschaffen, um ihren immer gleichen Sermon abzusondern?
Richtig! Das sind sie!
Es sind diese intelligenten Menschen, die sich nicht als Nestflüchter in alle Winde zerstreuen wollen, denen etwas liegt an ihrer Stadt, die nur ihre ureigene Ausdrucksweise kennen und benutzen können, ihre Kunst nämlich, und die sich beim Hagener Kulturring e.V. versammeln, um etwas zu bewirken. Es sind jene merkwürdigen Typen, die kaum etwas zu sagen haben, aber alles zu Sagende am besten zu sagen verstehen. Und diese Fähigkeit, gepaart mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein, wollen sie in den Dienst ihrer Stadt stellen.
Doch dabei kann es schon mal ruppig, oder satirisch oder frech oder respektlos zugehen. Denn eines gilt und das gerade in dieser Stadt: Wir kennen keinen sicheren Weg zum Erfolg, und wenn wir ihn wüssten, würden die meisten von uns ihn wahrscheinlich für sich behalten, aber wir alle kennen einen todsicheren Weg zum Misserfolg: Es allen Recht machen zu wollen.
Nein, dazu tritt der Kulturring Hagen e.V. nicht an: es allen Recht machen zu wollen.
Denn das hieße im Zweifel Schweigen oder Kriechen, und das ist das Letzte, was Sie oder Ihr von uns erwarten könnt.
Es ist wie es scheint: der Hagener duldet nichts Unverständliches in seiner Stadt... damit haben viele Künstler schon ihre Erfahrungen machen müssen.
Es gilt, gegen die Borniertheit in dieser Stadt anzuschreiben, anzumalen, anzumusizieren und anzubildhauern. Viel zu lange wurde hier nach dem Motto gehandelt und Politik gemacht: ich weiß zwar nicht, was Kunst ist, aber ich weiß genau, was Kunst nicht ist.
Wer so denkt, nennt uns auch, ohne mit der Wimper zu zucken, Nestbeschmutzer.
Weil es in Hagen noch immer nach der Devise zu laufen scheint, dass jene gefährlicher sind, die auf den Schmutz hinweisen, als jene, die ihn verursachen.
Wir fragen dagegen: Kann man ein Nest beschmutzen, das es längst ist? Wie können wir unser Nest - denn das vergesst nie, ihr Kritikaster aller unserer neuen Bemühungen, die ihr jetzt schon unruhig mit den Hufen scharrt: wir reden von Nest - wie also können wir dieses Nest wieder sauber, wärmend und einladend gestalten?
Und was ein Nest ist, müssen wir euch hoffentlich nicht erklären ...
Wir geben Euch Antworten auf die Fragen, die ihr nicht stellt:
Nein, in unserem Kulturbegriff kommt ein Autosalon nicht vor.
Ja, wir unterstützen jegliche Kunstaktion, die uns unserem Ziel näher bringt.
Nein, wir werden dem Todesstoß der Hagener Kultur nicht tatenlos zusehen.
Ja, wir werden im Schulterschluss mit allen Kulturschaffenden unsere Energien bündeln, Netzwerke bilden, Synergieeffekte nutzen, wie es so schön heißt.
Nein, wir werden nicht vor der Borniertheit, dem Dilettantismus kriechen. Ja, wir werden all das versuchen.
Nein, wir werden nichts davon garantieren, aber, und damit ein letztes JA! Wir, die Hagener Künstler und die Kulturinteressierten, wollen dieses Nest wieder liebenswert machen.
Aber die Mittel hierzu wählen nur wir selbst. Dabei lassen wir uns von niemandem reinpfuschen. Und wir werden nach einem Motto handeln und uns an diesem Motto messen lassen, das da lautet und von Friedrich Schiller stammt: Der Künstler ist zwar der Sohn seiner Zeit, aber schlimm für ihn, wenn er zugleich ihr Zögling oder gar ihr Günstling ist.
Prägen also wir dieser Stadt das Wasserzeichen einer erwünschten, einer lebendigen Kultur ein!
Arbeiten wir gemeinsam an einem Sinneswandel, denn unsere Kultur darf nicht länger danach beurteilt werden, ob sie die alten Gewohnheiten des Hagener Publikums bedient, sondern auch danach, ob sie sie zu ändern vermag. Halten wir es mit George Bernard Shaw:
Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die so genannten normalen gebracht haben!

In diesem Sinne, verehrte Kulturinteressierte und -schaffende.
Wir brauchen Euch! Wir brauchen die Verrückten, die Träumer, die Mutigen! Denn Ihr wisst ja: nur tote Fische schwimmen mit dem Strom!
Lasst uns gemeinsam aus den gelben, grinsenden Luftballons eine strahlendgelbe, lachende Hagener Kultursonne formen mit Worten, Bildern, Objekten und Tönen!

Ihr und Euer

Christoph Rösner


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