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Der Störenfried mischt sich ein, wenn es um Kultur in Hagen geht.

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Am Sonntag, 14.03.2010,  - 17.13 Uhr schrieb der Störenfried

Kultur fördern, Kultur fordern 

 

"Millionen-Skandal um Museumskosten",
"Hagener Kunstquartier entpuppt sich als Kostenquartier",
"Kulturförderung mit zweierlei Maß"...,

das sind Zeitungsmeldungen aus jüngster Zeit. Sind das noch Nachwehen aus der "alten" Stadtregierung? Ist heute alles viel besser oder wird "verschlimmbessert"? Müssen Museums-
besucher wirklich im Regen stehen, bis die offizielle Öffnungszeit beginnt? Dürfen die Museen tatsächlich nicht an einem Tag in der Woche länger geöffnet sein?

Christoph Rösner beklagte vor einem Jahr, dass es schlimm sei, wenn man in einer Stadt lebt, in der man Humor braucht. Humor, um das hinnehmen zu können, was einem geboten wird. Geboten an Dummheit, Ignoranz, Arroganz der politisch handelnden Personen.

Bleiben wir bei der Kultur. In Hagen. Dafür tritt schließlich der Hagener Kulturring ein.
Leider muss man, wenn man von oder über Kultur spricht, auch immer die von den Parteien in die entsprechenden Ausschüsse entsandten (bei Jupiter nicht immer, leider sogar selten) sachkundigen Bürger berücksichtigen. Es gibt natürlich, wie immer und überall, rühmliche Ausnahmen vom Unverstand.

Was können Parteien zur Kultur beitragen? Dazu ein Beitrag von Jörn Laue-Weltring:
"Es gibt Kulturen des Zuhörens, des Hinsehens, des Mitempfindens, des Widerspruchs, des Schreis, der Wut, des Leids, des Widerstandes, der Regionen und der Milieus. Es gibt auch die Kulturen des Lernens, des Herrschens, der Demokratie.
Eine Partei kann den Kulturbegriff schlecht selber definieren und eingrenzen. Sie kann nur Steigbügelhalter für Kulturen sein, ermöglichen ohne Akteur zu werden, eher Adressat.
Aber die Mitglieder der Partei können ihre jeweilige Kultur einbringen und vorleben."

Eine Definition, die ich in "vorwärts.de" fand. Es ist zu hoffen, dass die SPD in Hagen sich daran messen lässt. Auch CDU, FDP, Grüne und Hagen Aktiv sollten sie sich zu Herzen nehmen.

Hagen, die Stadt, in der wir leben, unter deren Politik wir, je nach Sichtweise, aufleben oder leiden müssen.

Bleiben wir bei Kunst und Kultur, die den Lebensraum gestalten, Identität und Identifi-kation fördern und Erkenntnis- und Erlebenshorizonte erschließen.

Kunst und Kultur in Hagen brauchen Kompetenz und Qualität.

Auch Hagen spielt bei Ruhr 2010, weil es Mittel vom Land gab, (etwas) mit. Da hat die Stadt unter der Schirmherrschaft der UNESCO, gefördert u. a. vom Königreich der Niederlande das Kunstprojekt "Sehnsucht nach Ebene 2" geschaffen und es als Projekt in die Veranstaltungsreihe Kulturhauptstadt Europas eingebracht. Dafür sei ihr Lob und Anerkennung zu sagen.

Das Museumsquartier wäre gelungen, wenn es da nur nicht die vielen offenen Fragen gäbe.
Wird es sich tragen? Wie entwickeln sich die Kosten?
Aber in bester Hagener Manier wurden zur Nachhaltigkeit schon einmal die Preise für Führungen erhöht und die berechtigten Wünsche nach mindestens einem Tag, an dem das Museum länger geöffnet ist, abgeschmettert. Wer als Besucher vor der Öffnungszeit eintrifft, steht ohnehin im Regen oder Schnee. Großmannssucht gepaart mit Kleingeist treten auch hier leider sehr offen zutage.

Theater als nächstes Stichwort. Viel zu lange wurde in Hagen nach dem Motto gehandelt: "Wo schon so hohe Schulden sind, kommt es auf ein wenig mehr auch nicht mehr an." Nun steht das Theater vor dem Kollaps. Erst noch einmal 4 Millionen investieren, bevor man es dann möglicherweise schließen muss? Ist das noch der gefragte Sachverstand?
Aber es haben sich ja Fachleute zu Wort gemeldet, die dem Theater ein breites Fundament schaffen wollen, damit es überleben kann. 100.000 EUR sollen Hagens Bürger verzehnfachen.
Was hilft eine Million, wenn das Theater jährlich mindestens das Zehnfache an Kosten verschlingt? Ist das Ganze nur ein publikumswirksamer Gag der Stiftung?

Es wird höchste Zeit, dass in unserer Stadt kulturpolitische Leitlinien neu diskutiert und beschlossen werden.
Kunst und Kultur müssen auch in Hagen verstärkt als Auftrag der Bildung angesehen werden. Das heißt u. a.:
- Generationsübergreifende Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger unabhängig von sozialem Status, Milieu oder Ethnie.
- Förderung der Bildungseinrichtungen öffentlicher und freier Träger.
- Einbindung der Künstlerinnen und Künstler in die kommunale Bildungsarbeit.

Nicht nur bei den Kleinen, die ohnehin kaum etwas vom Küchlein (von einem Kuchen kann man aufgrund der Finanzsituation ohnehin nicht mehr sprechen) abbekommen, muss gespart werden. Wahrscheinlich ist auch seit Ewigkeiten nicht mehr hinterfragt worden, ob und ggf. wie sinnvoll die Streuung der Mittel ist.
Wenn man nur laut genug schreit, wie beispielsweise das Theater, schreckt alles auf und verliert den Mut nachzurechnen, was sich die Stadt hier überhaupt noch erlauben kann. Schon die Investition in das Lutz war bei knappen Kassen ein Fehler.

Beim Schloss wurde auch wieder ein anderes Maß angelegt als bei den vier Kulturzentren.
Müssen nicht endlich verbindliche Regularien für alle Förderungen entstehen, die absolut durchschaubar sind und eindeutig vorschreiben, was der zu Fördernde tun muss, um öffentliche Mittel überhaupt zu erhalten?

Das ist ein Teil des Auftrags, den die Wählerinnen und Wähler den Hagener Parteien und deren handelnden Personen mitgegeben haben. Wer diesen Auftrag nicht erfüllt, handelt dem Bürgerauftrag entgegen.

Liebe Kulturschaffende und -interessierte: Es schien mir eminent wichtig, wieder einmal zu stören, bevor die neue Regierung in unserer Stadt in den gleichen Trott verfällt, wie die bisherigen. Es ist mir des Weiteren von größter Wichtigkeit auch darauf aufmerksam zu machen, dass in einer Pleite-Stadt wie Hagen zukünftig im Bereich Kultur und Bildung das Ehrenamt sehr viel mehr gefragt sein wird. Um zumindest das aufrecht zu erhalten, was wir unbedingt benötigen, müssen viele Leistungen privatisiert werden (Das spart dann auch Geld, das Hagen nicht hat). Kultur ist ein "Lebensmittel" für alle Generationen. Auf dieses Lebensmittel können wir nicht verzichten.

Herzlichst

Ihr und Euer Siegfried Piotrowski


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